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IN FORM 2025 - 2028

"Gesundheit auf dem Teller: Nudging-Ansätze in Kitas. Für eine gesundheitsfördernde, sozialgerechte und nachhaltige Ernährung von Kindern"

Das neue IN FORM-Projekt „Gesundheit auf dem Teller: Nudging-Ansätze in Kitas“ (NuKi) richtet sich an alle Akteur*innen der Kitaverpflegung. Das Projekt soll zeigen, wie durch kleine, gezielte Veränderungen im Kita-Alltag gesundheitsfördernde, sozialgerechte und nachhaltige Ernährungsentscheidungen von Kindern unterstützt werden können – ohne ihre Wahlfreiheit einzuschränken.

Ab Mai 2026 möchten wir gemeinsam mit teilnehmenden Kitas Nudging-Maßnahmen im Kita-Alltag ausprobieren und weiterentwickeln. Interessierte Einrichtungen erhalten die Möglichkeit, mit geringem Aufwand wirksame Impulse für eine gesunde und kindgerechte Verpflegung zu setzen. Aktuelle Informationen zu Projektstart, Teilnahme und Inhalten werden fortlaufend hier bereitgestellt.

Möchten Sie mehr über die Teilnahme erfahren? Dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an inform-th@dge.de. Ihre Anfrage ist selbstverständlich unverbindlich – wir informieren Sie gerne über Voraussetzungen, Ablauf und weitere Details zum Projekt.

Was ist Nudging?

Nudging ist ein Begriff aus der Verhaltensökonomie. „to nudge“ kann auf Deutsch mit „anstupsen“, „schubsen“ oder im übertragenen Sinn mit „ein wenig nachhelfen“ übersetzt werden. Maßnahmen aus dem Nudging – sogenannte „Nudges“ – sind also kleine Schubser in die richtige Richtung.

Im Bereich Ernährung bedeutet das, dass Essumgebungen bewusst so gestaltet werden, dass gesunde Entscheidungen leichter fallen.

Dabei gelten wichtige Grundsätze:

  • Die freie Wahlmöglichkeit bleibt erhalten
  • Der Nudge ist einfach zu umgehen
  • Der Nudge dient dem Wohl des Einzelnen und der Gemeinschaft

Weiter unten finden Sie Beispiele, wie solche Nudges in Kitas konkret umgesetzt werden können. Dabei wird oft deutlich, dass vieles davon bereits ganz selbstverständlich im Alltag umgesetzt wird und nichts grundsätzlich Neues ist. Vielleicht finden Sie aber auch neue Ideen, die Ihren Kita-Alltag gesünder und angenehmer gestalten können.

Hintergrund

In Deutschland war 2024 ca. jedes siebte Kind armutsgefährdet (Statistisches Bundesamt). Studien zeigen, dass Kinder aus armutsgefährdeten Familien häufiger ein ungesünderes Ernährungsverhalten aufweisen. Sie essen im Durchschnitt weniger frisches Obst, Gemüse und Vollkornprodukte und haben ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Adipositas. Diese Ernährungsungleichheiten können sich langfristig negativ auf die körperliche und kognitive Entwicklung von Kindern auswirken.

Kitas spielen eine zentrale Rolle, um allen Kindern, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, eine gesundheitsfördernde Ernährung zu ermöglichen. Hier setzt das Projekt an: Mithilfe von Nudging-Ansätzen wird die Ernährungsumgebung in Kitas so gestaltet, dass gesunde Entscheidungen erleichtert werden. „Nudges“ – also kleine „Anstupser“ – beeinflussen das Verhalten intuitiv positiv, ohne Wahlmöglichkeiten einzuschränken. Ziel ist es, gesundheitsfördernde und nachhaltige Ernährungsgewohnheiten frühzeitig zu unterstützen. Gesunde Optionen werden so attraktiv und zugänglich präsentiert, dass die Wahl dafür leichtfällt. Beispiele für solche Maßnahmen in Kitas sind eine attraktive Präsentation von Obst und Gemüse oder kindgerechte Wasserspender.

Kreative Präsentation

Das Auge isst mit – auch bei Kindern. Farbenfrohe und kreative Arrangements können Neugier wecken und den Appetit steigern. Obst und Gemüse lassen sich beispielsweise als bunter „Regenbogen-Teller“ oder in spielerischen Formen anbieten. Kleine Hilfsmittel wie Ausstechformen helfen dabei, Speisen attraktiver zu gestalten.

Auch fantasievolle Namen können Interesse erzeugen. Wenn Kinder selbst mitbenennen dürfen, entsteht zusätzlich eine persönliche Verbindung zum Essen. Gleichzeitig sollten alle wesentlichen Zutaten weiterhin benannt werden.

Gesunde Auswahl ermöglichen

Nicht jedes Kind mag jedes Gemüse – und das ist völlig normal. Deshalb lohnt es sich, bei Mahlzeiten mehrere Obst- und Gemüsevarianten parallel anzubieten. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass jedes Kind etwas Passendes findet. Untersuchungen zeigen, dass Kinder insgesamt mehr Gemüse essen, wenn sie zwischen verschiedenen Sorten wählen können.

Eine solche Auswahl fördert zudem das Gefühl, selbst entscheiden zu dürfen. Diese Autonomie trägt dazu bei, dass Essen positiver erlebt wird – ganz ohne Druck.

Wiederholung und Geduld

Neue Lebensmittel stoßen bei Kindern nicht unbedingt auf Begeisterung. Häufig braucht es mehrere Kontakte, bis Kinder sich darauf einlassen. Genau hier setzt der sogenannte Mere-Exposure-Effekt an: Er beschreibt das Phänomen, dass Menschen Dinge allein durch wiederholte Kontakte zunehmend positiver bewerten. Das gilt beispielsweise für Personen, Kleidungsstile oder auch Essen.

Bereits das Sehen, Riechen oder Berühren eines Lebensmittels stellt einen solchen Kontakt dar. Deshalb ist es sinnvoll, unbekannte oder weniger beliebte Speisen regelmäßig anzubieten. Niemand muss probieren, da Zwang und Druck langfristig zu negativen Verknüpfungen führen können.

Hilfreich kann ein kleiner „Probierbereich“ sein, etwa in Form eines separaten Tellers oder Löffels. Dort können Kinder in ihrem eigenen Tempo kosten. Positive Rückmeldungen unterstützen diesen Prozess, aber auch ein ablehnendes Verhalten wird akzeptiert.

Kindgerechter Speiseplan

Ein Speiseplan mit Bildern oder Zeichnungen gibt Kindern Orientierung und macht neugierig auf kommende Mahlzeiten. So wissen auch die Kleinsten, was es die Woche über zum Mittag gibt. Gleichzeitig entstehen Gesprächsanlässe zwischen Kindern, Eltern und pädagogischen Fachkräften.

Ebenso wirkungsvoll ist ein Beispielgericht: Ein angerichteter Teller, der vorab präsentiert wird, kann Interesse wecken und Vorfreude schaffen. Diese Form der Darstellung spricht mehrere Sinne an und macht gesunde Speisen ganz ohne Worte greifbar.

Mitbestimmung & Partizipation

Wenn Kinder bei der Vor- und Zubereitung von Speisen oder Essensituationen mitwirken, steigert das die Akzeptanz der Speisen. Schon einfache Aufgaben wie Waschen, Schneiden (altersgerecht) oder Tischdecken können einen Unterschied machen. Wenn mal mehr Zeit ist, können Koch- und Backaktionen bei der Einführung neuer Lebensmittel wahre Wunder bewirken.

Auch Mitbestimmung wirkt motivierend: etwa bei der Auswahl von Beilagen oder der Gestaltung des Speiseplans. Beteiligung fördert Interesse, Offenheit und Verantwortungsgefühl.

Lernen am Vorbild

Kinder orientieren sich stark an ihrem Umfeld. Nehmt euch also die Zeit, euch mit an den Essenstisch zu setzen und mit den Kindern zusammen zu essen. Achte hierbei auf eine positive Haltung dem Essen gegenüber, das weckt auch bei den Kindern Neugier. Gezielte Impulse („Prompts“) können diesen Effekt verstärken, zum Beispiel: „Die Bohnen schmecken richtig lecker – möchtest du auch probieren?“

Auch die Gruppendynamik kann unterstützend wirken: Kinder probieren eher Neues, wenn andere am Tisch dies ebenfalls tun.

Rahmenbedingungen gezielt gestalten

Die Umgebung beeinflusst Essentscheidungen stärker, als oft angenommen. Gesunde Lebensmittel sollten gut sichtbar und leicht erreichbar platziert werden – idealerweise auf Augenhöhe der Kinder. Weniger gesunde Optionen können dagegen bewusst weniger prominent angeboten werden. Auch Geschirrgrößen spielen eine Rolle: Größere Schalen für Hauptspeisen und kleinere für Desserts können die Portionswahl unbewusst lenken.

Ein freizugängliches Wasserangebot – etwa eine „Trinkstation“ – unterstützt zusätzlich ein gesundes Trinkverhalten.

Wer steckt dahinter?

Leitung des IN FORM-Projektes

Annika Etzel

Annika Etzel

M. Sc. Ernährungswissenschaftlerin
Projektleiterin
+49 160 5551592
inform-th@dge.de

Über IN FORM: IN FORM ist Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Sie wurde 2008 vom Bundesministerium für Gesundheit (BGM) initiiert und ist seitdem bundesweit mit Projektpartnern in allen Lebensbereichen aktiv. Ziel ist, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Menschen dauerhaft zu verbessern. Weitere Informationen unter: www.in-form.de

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