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IN FORM 2025 - 2028

"Gesundheit auf dem Teller: Nudging-Ansätze in Kitas. Für eine gesundheitsfördernde, sozialgerechte und nachhaltige Ernährung von Kindern"

Über das Projekt

Das neue IN FORM-Projekt „Gesundheit auf dem Teller: Nudging-Ansätze in Kitas“ (NuKi) richtet sich an alle Akteur*innen der Kitaverpflegung. Das Projekt soll zeigen, wie durch kleine, gezielte Veränderungen im Kita-Alltag gesundheitsfördernde, sozialgerechte und nachhaltige Ernährungsentscheidungen von Kindern unterstützt werden können – ohne ihre Wahlfreiheit einzuschränken.

Im Kita-Jahr 2026/2027 testen wir gemeinsam mit 15-20 Einrichtungen Nudging-Maßnahmen im Kita-Alltag. Ab 2028 finden Sie die Ergebnisse hier auf dieser Website zusammengefasst in einer digitalen Toolbox.

Sie sind eine teilnehmende Kita? Hier kommen Sie zur Nudging-Toolbox!

Was ist Nudging?

Nudging ist ein Begriff aus der Verhaltensökonomie. „to nudge“ kann auf Deutsch mit „anstupsen“, „schubsen“ oder im übertragenen Sinn mit „ein wenig nachhelfen“ übersetzt werden. Maßnahmen aus dem Nudging – sogenannte „Nudges“ – sind also kleine Schubser in die richtige Richtung.

Im Bereich Ernährung bedeutet das, dass Essumgebungen bewusst so gestaltet werden, dass gesunde Entscheidungen leichter fallen.

Dabei gelten wichtige Grundsätze:

  • Die freie Wahlmöglichkeit bleibt erhalten
  • Der Nudge ist einfach zu umgehen
  • Der Nudge dient dem Wohl des Einzelnen und der Gemeinschaft

Weiter unten finden Sie Beispiele, wie solche Nudging-Ansätze in Kitas konkret umgesetzt werden können. Dabei wird oft deutlich, dass vieles davon bereits ganz selbstverständlich im Alltag umgesetzt wird und nichts grundsätzlich Neues ist. Vielleicht finden Sie aber auch neue Ideen, die Ihren Kita-Alltag gesünder und angenehmer gestalten können.

Hintergrund

In Deutschland war 2024 ca. jedes siebte Kind armutsgefährdet (Statistisches Bundesamt). Studien zeigen, dass Kinder aus armutsgefährdeten Familien häufiger ein ungesünderes Ernährungsverhalten aufweisen. Sie essen im Durchschnitt weniger frisches Obst, Gemüse und Vollkornprodukte und haben ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Adipositas. Diese Ernährungsungleichheiten können sich langfristig negativ auf die körperliche und kognitive Entwicklung von Kindern auswirken.

Kitas spielen eine zentrale Rolle, um allen Kindern, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, eine gesundheitsfördernde Ernährung zu ermöglichen. Hier setzt das Projekt an: Mithilfe von Nudging-Ansätzen wird die Ernährungsumgebung in Kitas so gestaltet, dass gesunde Entscheidungen erleichtert werden. „Nudges“ – also kleine „Anstupser“ – beeinflussen das Verhalten intuitiv positiv, ohne Wahlmöglichkeiten einzuschränken. Ziel ist es, gesundheitsfördernde und nachhaltige Ernährungsgewohnheiten frühzeitig zu unterstützen. Gesunde Optionen werden so attraktiv und zugänglich präsentiert, dass die Wahl dafür leichtfällt. 

#1 Kreative Präsentation

Das Auge isst mit – besonders bei Kindern. Farbenfrohe und kreative Arrangements wecken Neugier und machen Lust aufs Probieren. Obst und Gemüse können zum Beispiel als „Regenbogen-Teller“ oder in spielerischen Formen angeboten werden. Ausstechformen helfen dabei, Speisen ansprechend zu präsentieren.

Auch fantasievolle Namen können Interesse wecken. Dürfen Kinder Speisen mitbenennen, entsteht zusätzlich eine persönliche Verbindung. Die wichtigsten Zutaten sollten dabei weiterhin genannt werden.

#2 Gesunde Auswahl ermöglichen

Nicht jedes Kind mag jedes Gemüse – das ist ganz normal. Deshalb lohnt es sich, verschiedene Obst- und Gemüsevarianten anzubieten. So findet jedes Kind eher etwas Passendes. Studien zeigen: Kinder essen mehr Gemüse, wenn sie zwischen mehreren Sorten wählen können.Gleichzeitig stärkt die Auswahl das Gefühl, selbst entscheiden zu dürfen. Das fördert eine positive Essatmosphäre – ganz ohne Druck.

Eine weitere Möglichkeit ist es die Gemüsekomponente vor den anderen Komponenten zu servieren, auch das erhöht den Verzehr von Gemüse maßgeblich. 

#3 Wiederholung und Geduld

Neue Lebensmittel werden nicht immer sofort akzeptiert. Oft braucht es mehrere Kontakte, bis Kinder sie kennenlernen und mögen. Dies beschreibt der sogenannte Mere-Exposure-Effekt: Was wir häufiger sehen oder erleben, bewerten wir meist positiver.

Schon das Sehen, Riechen oder Berühren eines Lebensmittels zählt als Kontakt. Deshalb sollten unbekannte Speisen regelmäßig angeboten werden. Niemand muss probieren – Druck oder Zwang können die Akzeptanz eher verringern.

Hilfreich kann ein kleiner „Probierbereich“ sein, etwa mit einem separaten Teller oder Löffel. Dort können Kinder in ihrem eigenen Tempo kosten. 

#4 Kindgerechter Speiseplan

Ein Speiseplan mit Bildern oder Zeichnungen gibt Kindern Orientierung und macht neugierig auf kommende Mahlzeiten. Gleichzeitig bietet er Gesprächsanlässe für Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte.

Auch ein vorab präsentierter Musterteller kann Interesse wecken und Vorfreude schaffen. 

#5 Mitbestimmung & Partizipation

Wenn Kinder bei der Vor- und Zubereitung von Speisen oder Essensituationen mitwirken, steigert das die Akzeptanz der Speisen. Schon einfache Aufgaben wie Waschen, Schneiden (altersgerecht) oder Tischdecken können einen Unterschied machen. Wenn mal mehr Zeit ist, können Koch- und Backaktionen bei der Einführung neuer oder unbeliebter Lebensmittel wahre Wunder bewirken.

Auch Mitbestimmung wirkt motivierend: etwa bei der Auswahl von Beilagen oder der Gestaltung des Speiseplans. Beteiligung fördert Interesse, Offenheit und das Verantwortungsgefühl.

#6 Lernen am Vorbild

Kinder orientieren sich stark an ihrem Umfeld. Nehmen Sie sich also die Zeit, sich mit an den Essenstisch zu setzen und mit den Kindern zusammen zu essen. Achten Sie hierbei auf eine positive Haltung dem Essen gegenüber, das weckt auch bei den Kindern Neugier. Gezielte Impulse („Prompts“) können diesen Effekt verstärken, zum Beispiel: „Die Bohnen schmecken richtig lecker – möchtest du auch probieren?“

Auch die Gruppendynamik kann unterstützend wirken: Kinder probieren eher Neues, wenn andere am Tisch dies ebenfalls tun.

#7 Rahmenbedingungen gezielt gestalten

Die Umgebung beeinflusst Essentscheidungen stärker, als oft angenommen. Gesunde Lebensmittel sollten gut sichtbar und leicht erreichbar platziert werden – idealerweise auf Augenhöhe der Kinder. Weniger gesunde Optionen können dagegen bewusst weniger prominent angeboten werden. Auch Geschirrgrößen spielen eine Rolle: Größere Schalen für Hauptspeisen und kleinere für Desserts können die Portionswahl unbewusst lenken.

Ein freizugängliches Wasserangebot – etwa eine „Trinkstation“ – unterstützt zusätzlich ein gesundes Trinkverhalten.

Quellen

1  de Gooijer, F. J., Camps, G., Feskens, E. J. M., & Lasschuijt, M. (2026). The impact of variety and free accessibility of snack vegetables on the intake of 3- to 7 year-old children: A randomized cross-over trial. Appetite, 218, 108392. https://doi.org/10.1016/j.appet.2025.108392

 

Wer steckt dahinter?

Leitung des IN FORM-Projektes

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Annika Etzel

M. Sc. Ernährungswissenschaftlerin
Projektleiterin
+49 160 5551592
inform-th@dge.de

Über IN FORM: IN FORM ist Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Sie wurde 2008 vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) und vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) initiiert und ist seitdem bundesweit mit Projektpartnern in allen Lebensbereichen aktiv. Ziel ist, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Menschen dauerhaft zu verbessern. Weitere Informationen unter: www.in-form.de

 

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